Heidelberger Poetikdozentur 2010

Bernhard Schlink
„Gedanken über das Schreiben“

Bernhard Schlink

wurde am 6. Juli 1944 in Großdornfeld bei Bielefeld geboren und wuchs in Heidelberg auf, wo sein Vater Edmund seit 1946 als Professor für Systematische Theologie an der Ruprecht-Karls-Universität wirkte, deren Rektor er 1953-54 war. Schlink studierte Jura in Heidelberg und Berlin, wurde 1975 in Heidelberg zum Dr. jur. promoviert. Nach seiner Assistenz in Heidelberg, Darmstadt, Bielefeld und Freiburg habilitierte er sich mit einer Arbeit über „Die Amtshilfe. Ein Beitrag zu einer Lehre von der Gewaltenteilung in der Verwaltung“ (1982). Seine erste Professur für Verfassungs- und Verwaltungsrecht führte ihn nach Bonn (1982). Es folgte Frankfurt am Main (1991), von wo er 1992 an die Humboldt-Universität Berlin wechselte, an der er bis 2009 den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie inne hatte. 1987 bis 2006 bekleidete er das Amt eines Richters am Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen.

Zum Schreiben fand Bernhard Schlink zunächst durch die Kooperation mit dem Mannheimer Rechtsanwalt Walter Popp, mit dem er den in der Region spielenden Kriminalroman „Selbs Justiz“ (1987) publizierte – Auftakt einer Trilogie um den Privatdetektiv Gerhard Selb, dessen Ermittlungen ihn beständig zurückführen in seine Vergangenheit als junger Staatsanwalt im Nationalsozialismus. Mithilfe der Selb-Figur entwickelt und umkreist Schlink zentrale Themen seines Lebens: den Zusammenhang von Politik, Recht, Glauben und Schuld – letztlich die Verantwortlichkeit des Individuums angesichts der Existenz eines Bösen, das sich politisch-gesellschaftlich im Nationalsozialismus manifestierte und in der Vernichtung der Juden grauenhaft konkret wurde. Die Last der „Vergangenheitsschuld“ steht auch im Mittelpunkt des Romans, der den Durchbruch zum „Weltliteratur“-Autor brachte: „Der Vorleser“ (1995) gilt als erfolgreichstes Werk der sog. Erinnerungsliteratur und ist ein internationaler Bestseller, den Hollywood 2009 mit Kate Winslet in Rolle der Straßenbahnschaffnerin, ehemaligen KZ-Wärterin und Geliebten verfilmte. Das Buch verbindet Zeitroman und Liebesroman und entfaltet die kollektive Schuldverstrickung am Beispiel eines Nachgeborenen, der sich unwissentlich in eine ehemalige Helferin des Regimes verliebt und – als er die Vergangenheit der zwanzig Jahre älteren Frau entdeckt – an ihr schuldig wird.

In seinen Poetikvorlesungen wird Bernhard Schlink Einblick geben in seine „Gedanken über das Schreiben“ hinsichtlich der Quellen, aus denen sich seine Literatur speist: die Vergangenheit, die Liebe und die Heimat.

Literarische Werke:

Selbs Justiz (1987); Die gordische Schleife (1988); Selbs Betrug (1992); Der Vorleser (1995); Liebesfluchten (2000); Selbs Mord (2001); Die Heimkehr (2006); Das Wochenende (2008); Sommerlügen (2010).

Essays:

Heimat als Utopie (2000); Vergewisserungen. Über Politik, Recht, Schreiben und Glauben (2005); Vergangenheitsschuld. Beiträge zu einem deutschen Thema (2007).

Auszeichnungen (u.a.):

Autorenpreis deutschsprachiger Kriminalliteratur (1989); Deutscher Krimipreis (1993); Hans-Fallada-Preis (1998); Grinzane Cavour (1997); Prix Laure Bataillon (1997); WELT-Literaturpreis (1999); Evangelischer Buchpreis (2000).

 

Programm

Donnerstag, 27. Mai 2010, 19.00 Uhr
Alte Aula der Universität

Eröffnung der Poetikdozentur 2010

Begrüßung: Prorektor Prof. Dr. Thomas Pfeiffer

Hans-Martin Mumm, Leiter des Kulturamts

Einführung: PD Dr. Michaela Kopp-Marx

Über die Vergangenheit schreiben

Poetikvorlesung mit Bernhard Schlink

Empfang auf der Bel Etage

 

Mittwoch, 2. Juni 2010, 19.00 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 13

Über die Liebe schreiben

Poetikvorlesung mit Bernhard Schlink

 

Donnerstag, 3. Juni 2010, 20.00 Uhr
Theaterkino, Hauptstraße 42

Der Vorleser

Film und Gespräch mit Bernhard Schlink

 

Mittwoch, 9. Juni 2010, 19.00 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 13

Über die Heimat schreiben

Poetikvorlesung mit Bernhard Schlink

 

Freitag, 11. Juni 2010, 16.00 Uhr
Heidelberger Literaturtage
Spiegelzelt Universitätsplatz

Bernhard Schlink liest aus „Sommerlügen“

Lesung mit Bernhard Schlink

 

Seminartermine:
Freitag, 28. Mai / 4. Juni / 11. Juni, jew. 11.15 – 12.45 Uhr
PB SR 123
 

 
Kontakt:
PD Dr. Michaela Kopp-Marx
michaela.kopp-marx@gs.uni-heidelberg.de
 

Die Heidelberger Poetikdozentur ist eine Kooperation mit den Heidelberger Literaturtagen und wird gefördert von der Stadt-Heidelberg-Stiftung, dem Kulturamt der Stadt Heidelberg und der „Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg“.

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Letzte Änderung: 07.07.2014