Das Heidelberger Korpus (HeideKo)

Seit März 2008 entsteht in Kooperation mit der Gruner + Jahr AG & Co KG sowie mit freundlicher Unterstützung des Marsilius-Kollegs der Universität Heidelberg (Center for Advanced Study im Rahmen der Exzellenz-Initiative), der FAZIT-Stiftung (Gemeinnützige Stiftung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) sowie der Zeitung ‚Neues Deutschland‘ am Lehrstuhl für Germanistische Linguistik des Germanistischen Seminars Heidelberg ein thematisch zusammengestelltes, datenbankgestütztes und digital aufbereitetes Textkorpus zur interdisziplinären Untersuchung gesellschaftlicher Diskurse.

Den Schwerpunkt des Heidelberger Korpus bilden zunächst Texte und Gespräche, Bilder sowie Video- bzw. Audio-Daten und deren Transkription zu drei gesellschaftlich brisanten Diskursen:

Logo: Gruner + Jahr AG & Co KG
  • Aktuelle Debatten der Bioethik,

  • Bau und Fall der Mauer / die Deutsche Einheit sowie

  • Rechtsnormierungskonflikte im laufenden Gesetzgebungsverfahren der Online-Durchsuchung.

Dieses Primärkorpus umfasst synchron Dokumente und Daten aus Print-, Fernseh- und Hörfunkmedien sowie diachron einen Zeitraum von 1961 bis heute. Das überwiegend in analogem Format vorliegende Datenmaterial wird umfassend digitalisiert, mit Metadaten (wie Entstehungszeitpunkt, Text- oder Bildsorte, Rubrik, Thema, Diskutanten u.a.) versehen und in eine eigens entwickelte Datenbankstruktur eingespeist.

Die datenbankgestützte Digitalisierung und Auszeichnung der Daten mit Metainformationen erlaubt systematische Analysen und komfortable Durchsuchungsmodi sowie die Möglichkeit, mit bereits existierender Analysesoftware kompatibel zu arbeiten.

Logo: Fazit-Stiftung

Das Primärkorpus steht im Rahmen dreier eigenständiger linguistischer Forschungsfragen: Zum ersten geht es um linguistische Mediendiskursanalysen der öffentlichen Diskurse zu Bau-/Fall der Mauer sowie zur Deutschen Einheit und damit um die Frage, wie einzelne Sachverhalte und Diskursobjekte sprachlich perspektiviert werden (Ansprechpartner: E. Felder). Zum zweiten wird das Missverstehen im schriftlichen und mündlichen Interdiskurs untersucht und anhand der Auseinandersetzungen in Bioethik-Debatten exemplifiziert (z.B. Therapeutisches Klonen bzw. Forschungsklonen; Ansprechpartner: M. Müller). Zum dritten stehen sprachlich konstituierte Normierungskonflikte in der fachjuristischen und medienöffentlichen Debatte um die Online-Durchsuchung im Fokus und damit die Frage nach Durchsetzungsstrategien gesellschaftlicher Normensysteme im Gesetzgebungsverfahren von Legislative, Judikative, Exekutive und öffentlicher Medienberichterstattung.

Logo: Neues Deutschland

Wenngleich das Heidelberger Korpus unter der Anleitung von Linguisten aufgebaut wird, basiert seine Entwicklung auf den Prämissen und Interessen interdisziplinärer Forschung: Datenaufbereitung wie Nutzungsoberflächen werden auf die Anwendung für verschiedene Forschungsfragen (z.B. zu Geschichte, Ethik, Wissenschaftsgeschichte, Kommunikationswissenschaft usw.) hin orientiert. Zur Nachhaltigkeit trägt nicht nur eine differenzierte Dokumentation aller Teilkorpora bei, sondern auch die thematische Erweiterung des Heidelberger Korpus von Anfang an. Durch Rückgriff auf bereits entwickelte Arbeitsabläufe wie Datenbanksysteme können und sollen neue Teilkorpora effizient in das Gesamtkorpus integriert und unter Anleitung linguistischer Kompetenz einer fruchtbaren und mit Hilfe effektiver Algorithmen zeitsparenden Analyse zugänglich gemacht werden.

Auf diese Weise sind bereits weitere Teilkorpora in Planung: etwa zur interdisziplinären Untersuchung medienöffentlicher Akzeptanz gegenüber wissenschaftlichen Forschungsergebnissen oder zur Analyse diskursiver Prozesse um neue Technologien (z.B. „Nano“).

Fernziel des kontinuierlich wachsenden Projektes ist erstens die nachhaltige Bereitstellung thematisch spezifizierter Großkorpora für deren wissenschaftliche Erforschung. Hierzu gehört nicht nur der Ausbau der thematischen Korpora, sondern auch die Entwicklung geeigneter Web-Interfaces, über die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zugang zu den aufbereiteten Daten erhalten. Zweitens soll das Heidelberger Korpus als neue Arbeitsgrundlage verstärkt in die Lehre eingehen und damit drittens eine gezielte Förderung von NachwuchswissenschaftlerInnen etwa bei der Durchführung von Magisterarbeiten und Promotionen ermöglichen.

Literatur:

 

Letzte Änderung: 15.02.2015
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