Forschungsprojekte

Projektleitung Prof. Dr. Dirk Werle

Epische Versdichtungen im deutschen Kulturraum des 17. Jahrhunderts

Forschungsprojekt, gefördert durch eine Sachbeihilfe der DFG, vorbereitet durch eine Anschubförderung des Innovationsfonds FRONTIER der Universität Heidelberg, Laufzeit: 2016–2018 (Frontier-Förderung), 2019–2022 (DFG-Sachbeihilfe), Leitung: Dirk Werle, Mitarbeiter: Uwe Maximilian Korn, Samantha Philips, Katharina Worms. Im Projekt wird die Geschichte epischer Versdichtungen im deutschen Kulturraum des ‚langen‘ 17. Jahrhunderts erforscht. Die Textgattung des carmen heroicum gilt in den poetologischen Selbstbeschreibungstexten der frühen Neuzeit als das wichtigste dichterische Genre; gleichwohl ist über seine Entwicklung im deutschen Kulturraum in dieser Periode noch relativ wenig bekannt. Das Projekt widmet sich der Schließung einer Forschungslücke, die einen zentralen Bereich der deutschen Literaturgeschichte betrifft. Es kann das Bild der Geschichte literarischer Gattungen in der frühen Neuzeit grundlegend korrigieren und in seiner Komplexität plastischer hervortreten lassen. Den Kern der Projekttätigkeiten bilden die Erarbeitung eines literaturhistorischen Repertoriums epischer Versdichtungen im ‚langen‘ 17. Jahrhundert (ca. 1570–1740) und einer damit verbundenen bibliographischen Datenbank.
 

Musterartikel
Katharina Worms: Atlantis  retecta (1659), Vincentius Placcius
 

Publikationen
Dirk Werle: Von hohem Wesen. Zu Wahrheitsanspruch und Gattungspoetik  epischer Versdichtungen im 17. Jahrhundert (am Beispiel von Caspar von  Barth und Georg Greflinger), in: Zeitschrift für Germanistik. Neue  Folge 28 (2018), S. 10–24.
 

Dirk Werle, Katharina Worms:  Jacob Baldes Batrachomyomachia Homeri Tuba Romana cantata (1637) und der  Dreißigjährige Krieg, in: Scientia Poetica 22 (2018), S. 214–228.
 

Uwe Maximilian Korn: Das Werk als Netzwerk. Zur Bearbeitungsgeschichte von Albrecht von Hallers »Die Alpen«, in: Zeitschrift für Germanistik NF 29 (2019), H. 1, S. 65–84.

 

Workshop vom 2. bis 3. März 2017: Das »Carmen Heroicum« 1580–1740 [pdf]
 

Johann Michael Moscherosch: Übersetzen – Wissen – Erzählen

Forschungsprojekt im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms "Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit", Projektbeginn: Herbst 2018, Leitung: Dirk Werle, Mitarbeiterin: Sofia Derer, Hilfskraft Kim Anh Schäfer. Das Projekt untersucht am Beispiel des Oeuvres Johann Michael Moscheroschs (1601–1669) Interaktionsformen von Übersetzen, Wissen und Erzählen in einer sowohl für die Geschichte des Erzählens als auch für die Wissenschaftsgeschichte im deutschen Kulturraum zentralen Phase: Im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts entwickelt sich in einem windungsreichen Prozess eine moderne Vorstellung fiktionalen Erzählens, und im selben Zeitraum befindet sich das polyhistorisch-enzyklopädische Gelehrsamkeitsideal in einer Hochphase maximaler Ausdifferenzierung. An beiden Entwicklungen hat Moscherosch – paradigmatisch für andere Autoren der Zeit – mit seinem Oeuvre einen entscheidenden Anteil – und das maßgeblich auf Basis der Übersetzung europäischer Prätexte. Vor diesem Hintergrund ist es Ziel des Projekts, Moscheroschs Praxis einer übersetzenden Gelehrsamkeit zu analysieren, wie sie sich vornehmlich in seinem deutsch-französischen Wörterbuch und seinen gelehrten, auf Übersetzungen fußenden Erziehungs- und Erbauungsschriften ausprägt.

Interdisziplinäre und internationale Konferenz vom 3. bis 5. April 2019: Johann Michael Moscheroschs Textwelten [pdf]

Tagungsbericht von Sofia Derer zur Konferenz vom 3.-5. April 2019 [pdf]

 

Was ist Tradition? Zu Genese, Dynamik und Kritik von Überlieferungskonzepten in den westeuropäischen Literaturen

Promotionskolleg, gefördert aus Mitteln der Landesgraduiertenförderung, Laufzeitbeginn Sommer 2016, Sprecher: Dirk Werle. Das Promotionskolleg erforscht Formen der Traditionskonstruktion in literarischer Produktion und Rezeption sowie des affirmierenden wie negierenden Traditionsverhaltens in den westeuropäischen Literaturen. Dabei wird ausgegangen von der Überlegung, dass sich Traditionen im Transfer zwischen Regionen und Nationen abspielen, dagegen nur ganz selten globale Reichweite besitzen. Traditionen etablieren Individual- und Gruppenidentitäten, sie inkludieren und schließen aus. Die Konzentration auf die Untersuchung von literarischer Tradition in Europa besitzt Modellcharakter für eine differenzierte allgemeine Konzeption von Literaturgeschichtsschreibung. Gleichzeitig fragt das Promotionskolleg nach der historischen Spezifität des Traditionsraums Europa. Es untersucht Überlieferungsprozesse, die sich von der Antike über das Mittelalter bis in die Moderne erstrecken, und ist nicht zuletzt durch diesen makroepochalen Zugriff eng mit dem fakultäten- und hochschulübergreifenden Master-Studiengang für Klassische und Moderne Literaturwissenschaft verbunden. Gegenüber einem ideologieaffinen essentialistischen Begriff von Tradition fragt das Promotionskolleg danach, wie Traditionen zustande kommen, funktionieren und ihre Wirkung entfalten. Traditionen sind nicht einfach da, sondern werden gemacht. Dieser Umstand wird in seinen Möglichkeitsdimensionen und seinen problematischen Facetten zum Ausgangspunkt grundlegender literaturhistorischer und literaturtheoretischer Forschungen. Untersucht werden die Mechanismen von Traditionsinitiativen, die Wege von Traditionskonjunkturen, die Rhetorik von Traditionsbrüchen und der Evidenzcharakter von Traditionsbehauptungen.

Projekthomepage

Edition der Werke Gottfried Finckelthaus

In der Nachfolge von Martin Opitz und Paul Fleming war in den 30er, 40er und 50er Jahren des 17. Jahrhunderts im Umfeld der Universitäten Leipzig und Wittenberg sowie des Dresdners Hofs eine Gruppe junger Dichter aktiv, die in der Geschichte der deutschsprachigen Lyrik im 17. Jahrhundert eine herausgehobene Rolle spielen. Zu ihnen gehört neben David Schirmer, Christian Brehme, Zacharias Lund, Johann Georg Schoch und anderen auch Gottfried Finckelthaus (1614–1648). Den Kern seines literarischen Schaffens bilden vier Lyriksammlungen: die 1638 in Leipzig erschienenen Deutschen Oden oder Gesänge, die 1640 in Hamburg veröffentlichten Deutschen Gesänge, die 1642 in Leipzig publizierten XXX. Teutschen Gesänge sowie die 1645 und 1648 in zwei Auflagen herausgekommenen Lustigen Lieder. Diese Texte werden in einer kritischen Edition präsentiert und kommentiert.

Enzyklopädisches Erzählen und vormoderne Romanpoetik (1400–1700)

Internationales Arbeitsgespräch an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, 14.–16. Oktober 2015, Leitung: Mathias Herweg (Karlsruhe), Klaus Kipf (München) und Dirk Werle. Eine Publikation der Tagungsergebnisse ist in Arbeit. Enzyklopädisches Erzählen als Form des Erzählens, die gelehrtes Wissen in einem bestimmten – Quantität, Ordnung, relative Vollständigkeit und Entproblematisierung anstrebenden – Zugriff narrativ integriert und diskursiviert, ist ein Phänomen, das in der (Gelehrten-) Kultur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit floriert. Im gleichen Zeitraum entwickelt sich die literarische Gattung Roman in einem windungsreichen Prozess von einer Textsorte, die in der zeitgenössischen Poetik schwer fassbar ist – im Mittelalter wird sie auf dem Weg einer impliziten Poetik nur aus den Texten selbst erschließbar; in den frühneuzeitlichen Gattungslehren kommt sie noch nicht vor – zum zentralen literarischen Genre der Neuzeit. Das Projekt widmet sich der Frage nach literatur- und wissenshistorischen Zusammenhängen dieser beiden Entwicklungen.

Die Publikation der Tagungsergebnisse erscheint 2019 im Harrassowitz Verlag in der Reihe der Wolfenbütteler Forschungen.

 

Abgeschlossen:

Zukunftswissen. Kontingenz und Prognose in der Literatur des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit

Forschungsprojekt im Rahmen der HEiKAexplore-Forschungsbrücke „Textwelten und Wissensforschung“ der Heidelberg Karlsruhe Research Partnership (HEiKA), Laufzeit: 2018 , Leitung: Mathias Herweg und Dirk Werle, Mitarbeiterinnen: Manuela König und Joana van de Löcht. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit werden Möglichkeiten und Techniken, Wissen über die Zukunft zu erlangen und damit die Kontingenz des menschlichen Lebens zu begrenzen, in literarischen wie in wissensvermittelnden Texten ausführlich verhandelt. War die Zukunft der Welt in der spätmittelalterlichen Sicht noch Teil eines göttlichen Plans, so erscheint Zukünftiges am Ende der frühen Neuzeit weniger durch Providenz als vielmehr durch naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten bestimmt, die sich durch Beobachtung und Extrapolation ermitteln lassen. Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Wandel theologischer und mantischer Wissensansprüche über Zukünftiges hin zu naturwissenschaftlichen Modellen im deutschen bzw. europäischen Kulturraum auszuloten und deren Einbindung in literarische und nichtliterarische Textwelten zu beschreiben. Ein mediävistisches Teilprojekt untersucht die Inszenierung von Zukunftswissen im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Prosaroman, ein neugermanistisches Teilprojekt erforscht die narrative Vermittlung von Prognosewissen in europäischer Erzählliteratur des 16. bis 18. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Entstehung moderner Wissenschaft.

Workshop "Zukunftswissen. Kontingenz und Prognose in der Literatur des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit", 20. April 2018

Literaturwissenschaftliche Ideengeschichte. Konzepte und Kategorien

Workshop, 2./3. Juni 2016, Internationales Wissenschaftsforum Heidelberg, Organisation: Andrea Albrecht (Stuttgart), Carlos Spoerhase (Berlin), Dirk Werle (Heidelberg). Wie und warum entstehen Ideen in der Literatur und in den Wissenschaften? Wie und warum werden sie tradiert, verbreitet, verändert? Das sind die Leitfragen einer historischen Disziplin, die Mitte des 20. Jahrhunderts als history of ideas begann und sich in der Zwischenzeit zu einer methodisch differenzierteren intellectual history weiterentwickelt hat. Eine angemessene Konzeption von Ideengeschichte trägt dem Umstand Rechnung, dass Ideen in je spezifischen Darstellungsformen und in rekonstruierbaren epistemischen Situationen entstehen, verbreitet und transformiert werden. Insofern Ideen in historischer Perspektive vornehmlich in Gestalt von Texten greifbar werden, sind die Textwissenschaften, ist näherhin die Literaturwissenschaft das geeignete Umfeld für die Konzeption einer angemessenen Form ideengeschichtlicher Rekonstruktion. Die Beiträge zu dem anlässlich von Lutz Dannebergs 65. Geburtstag ausgerichteten Workshop widmen sich der Vorstellung, Explikation und problemorientierten Diskussion von Konzepten ideengeschichtlicher Rekonstruktion wie ‚Wissensanspruch‘, ‚epistemische Situation‘, ‚kognitive Asymmetrie‘, ‚historische Epistemologie‘, ‚Auto-/Heterostereotyp‘, ‚Autorität‘, ‚Testimonium‘, ‚Darstellungsform‘, ‚kontrafaktische Imagination‘ mit Blick auf ihr jeweiliges historisches Potential.


► Zum Programm. Die Beiträge zum Workshop sind erschienen in Scientia Poetica 20 (2016), S. 137–394.

► Zur Fotodokumentation des Workshops.

 

Projektleitung Dr. Sylvia Brockstieger

Wissensordnung und Biographie. Kalkulierte Handschriftlichkeit in der gedruckten Wissensliteratur der Frühen Neuzeit

Teilprojekt B13 des SFB 933 "Materiale Textkulturen", Projektbeginn 1. Juli 2019, Laufzeit 4 Jahre.
Zur Homepage des Teilprojektes geht es hier.

Scheitern in den Wissenschaften – historische und systematische Perspektiven

Gemeinsam mit Dr. Mona Garloff (Geschichte, Universität Stuttgart / Universität Wien) und Dr. Michael Jungert (Philosophie, Universität Erlangen-Nürnberg), gefördert von der VolkswagenStiftung (Förderlinie "Originalitätsverdacht?"), Projektbeginn 1. März 2020, Laufzeit 19 Monate.

Im von der VolkswagenStiftung in der Förderlinie "Originalitätsverdacht? Neue Optionen für die Geistes- und Kulturwissenschaften" geförderten Projekt soll das Scheitern als ständiger Begleiter der wissenschaftlichen Praxis untersucht werden. Obwohl wissenschaftlicher Misserfolg omnipräsent ist, wird er im innerwissenschaftlichen Diskurs und in der Außendarstellung von Wissenschaft kaum thematisiert. Auch seine produktiven Implikationen bleiben zumeist verborgen. Gescheiterte Ansätze oder Experimente können in der Regel nicht publiziert werden, es mangelt an der systematischen Sichtbarmachung erfolgloser Versuche. Das Projekt will zeigen, dass das (An-)Erkennen des Prozesscharakters von Wissenschaft und die historische Analyse der Kontexte, Formen und Auswirkungen ‚gescheiterter‘ Wissenschaft seit der Frühen Neuzeit, weiterhin der ihr anhaftenden Narrative, Ökonomien und Semantiken von entscheidender Bedeutung für einen besseren und produktiven Umgang mit dem Misserfolg sind. Es führt hierfür historische und systematische Perspektiven aus Literaturwissenschaft, Geschichtswissenschaft und Wissenschaftsphilosophie zusammen und fragt auch nach der Rolle des Scheiterns in den unterschiedlichen Wissenschaftskulturen (etwa in den Geistes- vs. den Naturwissenschaften). Scheitern hat eine epistemologische (Scheitern als Irrtum) und eine praxeologische Seite (Scheitern als Zuschreibung), deren wechselseitige Verschränkung es zu erhellen gilt.

Mehr zum Projekt im Interview, SWR2, Journal am Mittag, 19. August 2019 [Audio-Datei]

 

 

 

 

 

 

Letzte Änderung: 15.01.2020
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