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Germanistisches Seminar Bericht über den Workshop „Schund- & Schmutzliteratur“

„Schund- und Schmutzliteratur“. So lautet der Titel des Workshops, der am 17.04.2026 im Germanistischen Seminar unter Andrea Albrechts Leitung stattgefunden hat und aus ihrem Haupt/Oberseminar mit demselben Titel heraus entstanden ist. Über elf Stunden hinweg gab es Vorträge von Seminarteilnehmer*innen und anschließende Diskussionen. Die insgesamt zwölf Vortragenden und die restlichen Seminarteilnehmer*innen haben sich bei dem Workshop teilweise mit allgemeinen Fragen zum Thema auseinandergesetzt: Was ist Schund- und Schmutzliteratur überhaupt? Woher kommt der Begriff Schund- und Schmutzliteratur? Wie können wir (literaturwissenschaftlich) über Schund- und Schmutzliteratur sprechen?

Was Schund- und Schmutzliteratur nämlich ist, lässt sich gar nicht so einfach sagen. In der Weimarer Republik wurde durch das Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften der Vertrieb von Texten, die in diese Kategorie fallen, verboten oder stark eingeschränkt. Was aber Kriterien angeht, anhand derer man entscheiden kann, was Schund- und Schmutzschriften sind, so gab es seitens des Gesetzgebers keine Definition, auf die man sich berufen könnte. Klar ist aber, dass Schund und Schmutz Kategorien der schlechten Qualität – häufig etwa bei serieller ,Heftchenliteratur‘ – oder der (moralisch oder sexuell) anstößigen Inhalte sind. Auf diese Merkmale hin wurden Texte von Prüfstellen untersucht und gegebenenfalls verboten.

Solchen Texten, die dauerhaft oder zwischenzeitlich wegen des Schund- oder Schmutzvorwurfs verboten wurden, widmeten sich die meisten Vortragenden: Von Schnitzlers mittlerweile kanonischem Reigen über Heinrich Zilles Hurengespräche hin zu Kriminalgeschichten und Heftromanen gestaltete sich ein abwechslungsreiches Programm, um das herum sich die unterschiedlichsten thematischen und methodischen Ansätze gruppierten. Die Student*innen trugen literatur- und kulturtheoretische Konzepte zu Schund- und Schmutzliteratur vor, boten psychologische und soziologische Ansätze – etwa zu parasozialen Beziehungen – und sogar quantitative, statistische Untersuchungen von serieller Literatur an. Genauso aber berührten sie ganz grundsätzliche moralische und ästhetische Fragen. Sind Texte, die ,schmutzige‘, etwa pornografische Inhalte haben, emanzipatorisch oder reproduzieren sie Stereotype? Können Texte, die uns ,schlecht‘ oder als ,Schundliteratur‘ erscheinen, durch eine andere Rezipient*innenhaltung als ,gut‘ wahrgenommen werden?

Ein Blick auf die Gegenwart durfte dabei selbstverständlich nicht ausbleiben. Schließlich wird der Büchermarkt dominiert von sogenannten New oder Young Adult-Romanen, von Sports und Dark Romance. Welcher Erzählmuster bedienen sich die Texte? Wer liest sie? Können diese Romane von KI geschrieben werden? Oder wurden sogar schon welche von KI verfasst? Solchen Fragen waren diejenigen auf der Spur, die sich in ihrem Vortrag mit der Gegenwartsliteratur und dem derzeitigen Büchermarkt befasst haben.

Eines steht fest: Es gibt literarische Texte, die sich einer großen Popularität erfreuen – egal, ob es sich dabei um die Frank Allan- oder Dr. Norden-Serie aus der Weimarer Republik oder um heutige Sports Romance-Romane handelt. Trotz dieser Popularität befinden sich die Texte am Rand der Gesellschaft, am Rand des Kanons und meist auch am Rand der Literaturwissenschaft. Umfelder wie der Workshop zu Schund- und Schmutzliteratur können daran etwas ändern. 

Ganz unabhängig vom Thema könnten solche Workshops ein attraktives neues Prüfungsformat werden, das sich vielleicht auch für andere Seminare anbieten würde.

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