
DFG-Projekt
Revitalisierung von deutschbasierten Sprachminderheiten im Alpenraum
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ein neues Forschungsprojekt zum Thema „Revitalisierung von deutschbasierten Minderheitensprachen im Alpenraum“ (kurz: ReVitaMin). Das Vorhaben startet im Wintersemester 2026/27 und ist auf drei Jahre angelegt. Beteiligt sind Forschende der Universität Heidelberg und der Universität Augsburg, die gemeinsam untersuchen, mit welchen Maßnahmen bedrohte sich deutschsprachige Minderheitengruppen im Alpenraum für den Spracherhalt einsetzen. Ziel des Projekts ist es, bestehende Revitalisierungsinitiativen systematisch zu dokumentieren, ihre Wirksamkeit zu evaluieren und die gewonnenen Erkenntnisse für Sprachgemeinschaften und weitere Akteurinnen und Akteure des Sprachmanagements nutzbar zu machen. Die Projektleitung liegt bei Sebastian Franz (Heidelberg) und Alfred Wildfeuer (Augsburg).
Anliegen des Projektes
Wenngleich der Schutz von Regional- und Minderheitensprachen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene institutionell verankert ist, liegt die konkrete Verantwortung für die Umsetzung sprachpolitischer Maßnahmen letztlich bei den lokalen Sprachgemeinschaften selbst. Sie entscheiden darüber, ob, in welcher Form und mit welcher Zielsetzung Strategien zum Erhalt und zur Förderung ihrer Sprache entwickelt und umgesetzt werden. Die deutschbasierten Minderheitensprachen im Alpenraum (siehe Karte) konnten sich über Jahrhunderte hinweg behaupten. Seit mehreren Jahrzehnten weisen jedoch zahlreiche Untersuchungen auf einen kontinuierlichen Rückgang ihrer Vitalität hin.

Viele dieser Varietäten gelten heute als stark gefährdet bzw. bedroht. Als Reaktion auf diese Entwicklung haben die betroffenen Sprachgemeinschaften vielfältige Maßnahmen zur Sprachpflege und Sprachrevitalisierung initiiert. Bislang ist jedoch nur unzureichend erforscht, welche konkreten Maßnahmen eingesetzt werden, unter welchen Bedingungen sie entstehen und welche Wirkungen sie tatsächlich auf den Erhalt der jeweiligen Minderheitensprache entfalten. Genau an dieser Forschungslücke setzt das Forschungsprojekt an.
Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes stehen aktuelle Revitalisierungsbestrebungen in den einzelnen deutschsprachigen Gemeinschaften im Alpenraum. Ziel des Projekts ist es, historische und gegenwärtige Initiativen systematisch zu dokumentieren und zu analysieren sowie ihre Wirksamkeit anhand soziolinguistischer Kriterien zu bewerten. Hierfür wird ein integrativer Forschungsansatz verfolgt, der objektive und subjektive Dimensionen sprachlicher Revitalisierung miteinander verbindet. Auf der Grundlage einer kontextsensiblen Dokumentation und Evaluation bereits umgesetzter sowie laufender Maßnahmen soll ein praxisnahes heuristisches Modell entwickelt werden, das die Bewertung und Weiterentwicklung sprachfördernder Interventionen ermöglicht. Damit schafft das Projekt eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für zukünftige Maßnahmen des Sprachmanagements und ermöglicht eingebundenen Akteurinnen und Akteuren, sich über Maßnahmen in anderen Sprachsiedlungen zu informieren, deren Potenziale einzuschätzen und Entscheidungen über eigene Initiativen auf der Basis evidenzbasierter Erkenntnisse zu treffen.
Erfahren Sie mehr über das Forschungsprojekt
Leseanregung
Bis zu dem Beginn des Projektes und der schrittweisen Erweiterung dieser Webseite finden Sie weiterführende Informationen zu ausgewählten Aspekten des Themenfeldes zum Beispiel in unserer Publikation Standardisierung und (Re-)Vitalisierung von Minderheitensprachen (Olms-Verlag, Germanistische Linguistik, 2024).






