Linguistische Mediendiskursanalyse
Im Zentrum des Forschungsprojektes steht der Aufbau des Heidelberger Korpus (weitere Informationen). Am Beispiel dieser Texte sollen die spezifischen Erkenntnispotentiale linguistischer Beschreibungsverfahren im Unterschied zu Medienuntersuchungen anderer Wissenschaftsdisziplinen demonstriert werden. Das Erkenntnisinteresse konzentriert sich in erster Linie auf die sprachimmanente Perspektivität, die sprachlichen Mitteln und Mustern in Medientexten und Diskursen innewohnt. Auf diese Weise verbindet das Forschungsprojekt methodische Ziele mit inhaltlichen.
»Zeichen und Zeichenverkettungen können kognitive wie kommunikative Prozesse orientieren, aber nicht determinieren.« (S. J. Schmidt (1996): Die Welten der Medien. Braunschweig, S. 16) Eine solche These verlangt nach der genauen Untersuchung von Zeichen und Zeichenverkettungen in Medien. Denn häufig wird in sozial- und kulturwissenschaftlichen Arbeiten viel von Sprache, aber wenig über sprachliche Formen als Konstitutionsmedium von Sachverhalten gesprochen.
In diesem Kontext werden die folgenden Thesen als relevant erachtet:
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Die Grundannahme, Medien berichteten über Ereignisse, ist verkürzt und so nicht zu halten! Die Problematik der Annahme besteht darin, dass die - in Versprachlichungsprozessen - konstituierten »Medienrealitäten« in ihrem Ergebnis als gegeben hingenommen werden. Damit einher geht die Voreinstellung, Medien wollten lediglich ontisch schon Gegebenes darstellen und erklären. Der Versprachlichungsprozess als solcher wird als zentraler Prozess beim (Nicht)Verstehen kaum problematisiert.
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Die konstruktivistische These, Medien würden mediale Realität aus originär erfahrener Wirklichkeit konstruieren (Begriffsunterscheidung von S.J. Schmidt), blendet den Aspekt aus, dass massenmediale Realität auch ohne Pendant der Wirklichkeit konstituiert werden kann.
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Medien setzen häufig den sozialen Sachverhalt erst fest und schaffen so einen sozialen Sachverhalt eigener Qualität, den es ohne institutionelle Medienkommunikation nicht gäbe. Außermediale Wirklichkeit wird auf mediale Realität mittels Sprache zugepasst (Zubereitungsfunktion).
Monographie in Vorbereitung:
Linguistische Mediendiskursanalyse - Theorie und Praxis eines linguistischen Untersuchungsprogramms
Projektskizze
Prämisse:
Sachverhaltskonstitution und Sinnherstellung in Medien können über sprachliche Formen und Funktionen in Diskursen nachgezeichnet werden.
Ausgangsfrage und erkenntnisleitendes Interesse:
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Worin besteht das besondere Erkenntnispotential linguistischer Medienanalyse bei den spezifischen Konstitutionsbedingungen von Sachverhalten in der institutionellen Medienkommunikation?
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Durch welche spezifischen Ausdrucksweisen bzw. Äußerungseigenschaften werden Wahrnehmungsprozesse, Wissensvorstellungen und Konzeptualisierungen ko-orientiert, und inwiefern beeinflusst die sprachliche Zugriffsweise die Sachverhaltskonstitution (»Zubereitung« der Wirklichkeit und Gestaltung der Realität)?
Fokus:
Referenz/Sachverhaltskonstitution verstanden als - an prototypischen Zeichenverwendungen - orientiertes Wissen
Untersuchungsebenen:
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Lexematische Ebene
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Ebene der Syntagmen und Kollokationen
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Ebene der Äußerungseinheiten (auf oder unter-/ oberhalb der Satzebene): Ermittlung handlungsleitender Konzepte mit den Kategorien
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Sachverhaltskonstituierung / Sachverhaltsklassifizierung als Sachverhaltsfestsetzung mit allgemeinem Faktizitätsanspruch
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Sachverhaltsverknüpfung in Wissensrahmen / Wissensdispositionen
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Sachverhaltsbewertung (implizit und explizit)
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Textebene: Textarbeit im Hinblick auf intertextuelle Transformation zwischen einzelnen Varietäten und Medientexten (z.B. Pressekonferenzen, Politikerreden, Gerichtsurteile, Fachtexte, Dokumente, Protokolle etc.)
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Ebene der Text-Bild-Beziehungen inkl. Interpicturalität
Exemplifizierung an folgenden Diskursen:
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Mediendiskurs zum »Bau und Fall der Berliner Mauer«
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Mediendiskurs zu »Sterbehilfe«
Zu untersuchendes Textkorpus:
Zeitschriften: Der Spiegel, Stern, Focus
Überregionale Zeitungen: Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Neues Deutschland, Die Welt, Die Zeit
Literatur:
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Felder, E. / Müller, M. / Vogel, F. (Hg.) (2012): Korpuspragmatik. Thematische Korpora als Basis diskurslinguistischer Analysen. Berlin / New York: Walter de Gruyter. (= Linguistik - Impulse und Tendenzen) [Einleitungsaufsatz als pdf]
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Felder, Ekkehard (2011): Linguistische Diskursanalyse im Forschungsnetzwerk ›Sprache und Wissen‹. In: Keller, Reiner / Schneider,Werner / Viehöver, Willy (Hg.): Wissen und Sprache. Wiesbaden: VS-Verlag
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Felder, Ekkehard (2011): Linguistische Mediendiskursanalyse. Zur Bestimmung agonaler Zentren in der pragma-semiotischen Textarbeit. In: Warschauer IVG-Akten.
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Felder, Ekkehard (2009): Sprache -- das Tor zur Welt!? Perspektiven und Tendenzen in sprachlichen Äußerungen. In: Felder, Ekkehard (Hg.): Sprache. Im Auftrag der Universitätsgesellschaft Heidelberg. Berlin u.a.: Springer Verlag, S. 13-57 (Heidelberger Jahrbücher Band 53)
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Schedl, Evi (2011): Korpuslinguistische Zugänge zu agonalen Zentren. (Bachelorarbeit)